Life-Cycle von Standards

Der Life-Cycle eines Standards - beginnend mit der Entwicklung und endend mit der Nutzung und Implementation des Standards in den operativen Prozessen und Dienstleistungen der globalen Finanzindustrie - umfasst verschiedene Entwicklungs-Ebenen, die phasenweise durchlaufen werden.
 

In der Folge werden die Phasen des Standardisierungsprozesses von der Evaluation bis zur Anwendung auf den Ebenen Standard, Market Practice, Service Rule und Implementation bildlich dargestellt und inhaltlich beschrieben.

Entwicklungs-Layer der Standardisierung:

Entwicklungsphasen eines Standards

Entwickungs-Phasen der Standardisierung

Phase: Standard Entwicklung

Standard Layer

Internationale Ausrichtung, offen formuliert und breit nutzbar 

Auf dem «Standard Layer» befinden sich die auf international vereinbarten Daten- und Meldungsstandards basierenden Prozess- und Message-Modelle die in der Regel mit globalem Fokus durch die internationalen Standard-Gremien gemeinschaftlich entwickelt und der Industrie als gemeinsam vereinbarte Standard-Lösung zur Verfügung gestellt werden.

Die auf der Standard-Ebene bereitgestellten Modelle sind dahingehend offen zu verstehen, dass sie unterschiedliche Anwendungsszenarien unterstützen sollen. Es sollen sämtliche als relevant erachteten Anforderungen der an der Entwicklung beteiligten Regionen und Märkte iin den Modellen berücksichtigt werden. Relvant heisst, dass die Anforderung in den internationalen Gremien akzeptiert worden ist, auch wenn damit teils divergierende Bedürfnisse der Regionen und Märkte in den Modellen berücksichtigt werden müssen.

  • Entsprechend umfassen die Modelle in der Regel Elemente, die von allen zwingend verwendet werden müssen, und andere, deren Anwendung optional ist und nur in den anfordernden Regionen und Märkten zum Einsatz gelangen sollen.

     

Phase: Standard Anwendung

Market Practice Layer

Globale, regionale und lokale Market Practice

Auf globaler, regionaler und lokaler Ebene werden auf dem «Market Practice Layer» sogenannte «Best Practice Empfehlungen» für die effiziente Anwendung der Proess- und Messge-Modelle zur Verfügung gestellt.

  • Die regionale Practice bezieht sich in der Regel auf die globale Market Practice, die lokale wiederum auf die regionale. Somit schafft die globale Market Practice Vorgaben und Rahmenbedingen für die regionale Market Practice und diese wiederum für die lokale Market Practice.

Mit der Globalen Market Pactice wird der Rahmen für die vereinheitlichte Anwendung der standardisierten Prozess- und Message-Modelle in den Regionen und den Märkten geschaffen.

  • Die Globale Marktet Practice dient als Grundlage für weltweit harmonisierte Prozesse zur effeizienten Abwicklung von inernationalen Finanzdienstleistungen.
  • Die regionale und die lokale Market Practice baut auf der Globalen Market Practice auf und behandelt die erforderliche Spezialisierung der Prozesse und Meldungen der jeweiligen Region oder des jeweiligen Markts.
  • Mit regionaler und lokaler Market Practice soll genügend Spielraum für spezialisierte, regionale und lokale Prozesse verbleiben.

Die Entwicklung, Bewirtschaftung und Ausbreitung einer Market Practice wird in der Regel durch spezialisierte Tools unterstützt.

  • Beispiele sind MyStandards von SWIFT oder das GEFEG basierte Schweizer Market Practice Validation Portal von SIX Interbank Clearing und der SKSF.

     

Phase: Standard Implementation

Service Rule Layer

Besipiele sind die Schweizer Finanzmarkt-Infrastruktur-Services SIC im Zahlungsverkehr und SECOM im Wertschriftenbereich, welche auf den ISO-basierenden standardisierten Prozess- und Message-Modellen aufbauen.

Der «Service Rule Layer» umfasst die weit grössere Menge der Standard-Implementationen in den Finanzdienstleistungen, welche von den Dienstleistern für die Prozessabwicklung und die elektronische Kommunikation ihren Kunden angeboten werden.

Die Service Rules für die konkrete Implementation der Standardanwendung werden vom Dienstleister bestimmt. In der Regel basieren sie auf einer zuvor lokal oder regional vereinbarten Market Practice.

  • In diesem Kontext wird vom Dienstleister der Implementationsumfang und die Art der Standardanwendung für seine Dienstleistung definiert.
  • Dabei wird er die spezifischen geschäftlichen Rahmenbedingungen und die individuellen Bedürfnisse seiner Kunden berücksichtigen wollen.
  • Der im Standard und in der Market Practice vorhandene Spielraum zur Spezialisierung und Individualisierung des Serviceangebots soll und kann dabei genutzt werden.

Service Implementation Layer

Auf dem Service Implementation Layer findet die Implementierung des Standards statt.

  • Die Implementierung erfolgt entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Finanz-Industrie.
  • Sie wird durch die Dienstleister getrieben und in Absprache mit ihren Kunden vorgenommen.

Die Implementationen basieren auf den von den Dienstleistern festgelegten Service Rules, damit eine möglichst hohe Prozessautomatisierung erzielt, Kosten tief gehalten (STP, A2A) und manuelle Prozesse möglichst eliminiert werden können.

  • In der Regel werden die Marktinfrastrukturen und die grösseren Finanzdienstleister ihre Service Rules in den neuen, spezialisierten Market Practice Tools (MyStandards von SWIFT; GEFEG basierte Validation Portals) zur Verfügung stellen.
  • So bietet SIX Interbank Clearing ihren Kunden für die effiziente Implementation der neuen Zahlungsverkehrs-Infrastruktur-Services im Schweizer Markt das SIC Validation Portal zur Nutzung an, damit die internen Prozesse bei den Kunden effizient angepasst und die erforderlichen IT-Lösungen schlank entwickelt, getestet und eingeführt werden können.

Zeitlicher Rahmen

Von der Entwicklung bis zur Implementation eines Standard vergehen oft Jahre.

Standardisierung ist ein langwieriger Prozess, der sich in den entwickelnden Standardisierungsgremien (ISO), den  bereitstellenden Industrie-Organisationen (SWIFT) und den anwendenden und implementierenden Regionen und Märkten weltweit über viele Jahre erstrecken kann, bis eine flächendeckende Umsetzung des Standards erreicht worden ist.

Beispiel: ISO 20022 Investment Funds Meldungsstandards (MX)

  • Die Evaluation und Entwicklung der Investment Funds Meldungen begann im Jahr 2001.
  • 2004 ist der Standard bei ISO publiziert worden.
  • SWIFT hat den Standard im gleichen Jahr zur Nutzung freigegeben.
  • Die Anwendung in den verschiedenen Märkten ist seit diesem Zeitpunkt im Gange.
  • Erste regionale und lokale Market Practices wurden Ende des letzten Jahrzehnts – u.a. durch SMPG – für die Fondsindustrie zur Verfügung gestellt. Diese wurden inzwischen mehrfach überarbeitet.
  • Die Implementation der neuen Messages in den Märkten erfolgt schrittweise, in der Regel basierend auf lokaler Market Practice, welche für die einheitliche Anwendung des Standards im Markt zur Verfügung gestellt wird.
  • Zielsetzung von SWIFT ist, für die Zeichnung und Rückgabe von Fondanteilen die bestehenden MT-Messages durch neue MX-Messages abzulösen. Migrationstermine mussten bereits mehrfach verschoben werden.
  • In der SWIFT Community ist nun vereinbart, dass die MT-MX Funds Migration bis November 2015 abgeschlossen sein soll.
  • Die Schweiz ist auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen.
  • Ob dies in allen Märkten der Fall sein wird, wird sich erst in den nächsten Monaten erweisen.